Schmerzfrei musizieren: Nacken und Schultern entlasten, mit Susanne Berendes
Shownotes
Wie Beckenbodentraining auch das Geigenspiel verändert
Susanne Berendes, 61, ist Berufsgeigerin und CANTIENICA®-Instruktorin. Sie spielt im Orchester, unterrichtet an der Musikakademie Kassel (Louis-Spohr-Akademie) Bewegungslehre für angehende Musikpädagog:innen und arbeitet mit Musiker:innen unterschiedlichster Instrumente.
Ihr Weg zur CANTIENICA®-Methode begann nach der Geburt ihrer zweiten Tochter – ausgelöst durch eine Beckenbodensenkung und körperliche Überlastung. Über ein Buch fand sie zur CANTIENICA®-Methode und erkannte erst im Laufe des eigenen Trainings, wie tiefgreifend sie gerade für Musiker:innen wirkt: bei Lampenfieber, Schulterschmerzen, Psoas-Spannung, Atemproblemen und chronischer Schieflage.
Heute verbindet Susanne ihre jahrzehntelange Bühnenerfahrung mit präziser Körperarbeit – praxisnah, ehrlich und mit grossem Respekt vor der künstlerischen Realität.
Der Körper ist mein eigentliches Instrument
Susanne Berendes spricht mit Benita Cantieni über:
- typische Fehlhaltungen, die angeblich zum Instrument gehören
- die Angst vor Veränderungen im eigenen Tun
- die Magie der cantienischen Atemreisen
- das Loslassen, das durch Halt und Aufrichtung kommt
- das Implementieren von neuen Gewohnheiten im anspruchsvollen Alltag
- die Freude am Spiel, die aus dem schmerzfreien Körper kommt
CANTIENICA® Körper in Evolution ist anatomisch präzises Training für Aufrichtung, Kraft und Schmerzfreiheit – von innen nach außen. Du lernst, deinen Körper so zu bewegen, wie er von Natur aus gedacht ist: effizient, leicht und kraftvoll. Dein Körper versteht schnell, was ihm guttut – und antwortet mit Leichtigkeit.
Links:
- CANTIENICA®-Methode: https://cantienica.com
- Ausbildungen: https://cantienica.com/ausbildung
- Studio Zürich: https://cantienica.com/studiozuerich
CANTIENICA® Körper in Evolution ist anatomisch präzises Training für Aufrichtung, Kraft und Schmerzfreiheit – von innen nach außen. Du lernst, deinen Körper so zu bewegen, wie er von Natur aus gedacht ist: effizient, leicht und kraftvoll. Dein Körper versteht schnell, was ihm guttut – und antwortet mit Leichtigkeit.
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- Ausbildungen: https://cantienica.com/ausbildung
- Studio Zürich: https://cantienica.com/studiozuerich
Transkript anzeigen
Transkript – Susanne Berendes
Benita Cantieni: [0:02] – Susanne Berendes, hallo, schön, dass du da bist.
Susanne Berendes: [0:06] – Hallo, ich freu mich.
Benita Cantieni: [0:09] – Du bist Berufsgeigerin und unterrichtest CANTIENICA® Körper in Evolution, finde ich eine exklusive Mischung aus diversen Gründen. Wie kommt’s dazu?
Susanne Berendes: [0:22] – Ich habe tatsächlich das CANTIENICA®-Training kennengelernt durch eine Beckenbodensenkung nach der Geburt meiner zweiten Tochter. Und dann sind wir noch umgezogen und ich habe noch ordentlich Kisten geschleppt, ohne auch nur das Geringste zu wissen natürlich über Körperhaltung.
Und dann habe ich mich auf die Suche gemacht und habe, Benita, dein altes Tiger-Feeling-Buch gefunden in einer Buchhandlung und fand das dann so interessant, dass ich mich da wirklich reingefuchst habe. Und habe dann tatsächlich erst im Laufe des Trainings gemerkt, wie toll das für Musiker ist, und zwar als erstes gegen Lampenfieber.
Wir Musiker lernen ja immer, ihr müsst tief in den Bauch atmen, ihr müsst tief in den Bauch atmen gegen Lampenfieber.
Und mir war aber immer, wenn ich Lampenfieber hatte, wurde mir übel. Und wenn ich dann noch tief in den Bauch geatmet habe, dann ging das in einen Würgereiz über, sodass das also für mich nie infrage kam.
Und irgendwann habe ich dann gedacht, so, jetzt atme ich nicht in den Bauch, sondern ich atme vom Sitzbeinhöcker diagonal zur Oberarmkugel. Und siehe da, ich habe mich beruhigt und mir wurde nicht übel.
Und das war meine erste Musiker-Erfahrung mit CANTIENICA®. Und nach und nach habe ich dann natürlich, wie das dann immer so ist, man kommt sich selber immer mehr auf die Schliche und auf die Sprünge.
Und dann habe ich gemerkt, wie fantastisch das für die Schultern ist. Und ich hatte auch immer so einen Stress-Psoas.
Also wenn es für die linke Hand, als Geigerin muss man ja sehr arbeiten mit der linken Hand, wenn es für die linke Hand stressig wurde, habe ich rechts den Psoas ganz hart angespannt und konnte den immer kaum lösen.
Also wenn ich dann aufgestanden bin nach zwei Stunden Vorstellung oder drei Stunden Vorstellung, musste ich immer erstmal so ein paar Schritte gehen, bis der Psoas sich wieder entspannt hatte.
Und das hat wirklich gedauert. Also ich kann sagen, ich kam ja als Musiker wirklich durch die CANTIENICA®-Methode einfach auf die Schliche und habe dann Mittel an die Hand bekommen, wie ich mir selber helfen kann.
Benita Cantieni: [2:36] – Und das gibst du weiter?
Darf ich noch was zum Lampenfieber sagen? Weil es macht mich so glücklich, dass du das ansprichst. Weil mein Lampenfieber habe ich auch durch die Methode verloren. Da stehen und einfach durch dieses diagonale, vertikale Ausrichtung in die Kraft kommen. Weil ich war früher ja ein furchtbarer Lampenfieber. Zweimal die Stimme verloren beim Vorsprechen in der Schauspielschule. Heute ist es okay, dass ich nicht Schauspielerin geworden bin. Damals fand ich es eine Katastrophe.
Susanne Berendes: […] Für uns ein großes Glück.
Benita Cantieni: […] Für mich eigentlich auch. Also unterrichtest du Musiker:innen oder wie bringst du die beiden Arbeiten unter einen Hut?
Susanne Berendes: [3:23] – Ich habe einen Lehrauftrag in Kassel an der Musikakademie Louis Spohr, die Pädagogen ausbildet, also Musikpädagogen. Und dort unterrichte ich Bewegungslehre, nennt sich das.
Da müssen immer die ersten zwei Semester, muss man einen Bewegungslehre-Kurs besuchen. Das ist obligatorisch, finde ich auch sehr, sehr vernünftig. Und eine Kollegin von mir macht Dispokinese und ich mache CANTIENICA®.
Benita Cantieni: […] Und das kannst du voll, ohne Widerstände, voll durchsetzen?
Susanne Berendes: […] Ich mache das einfach. Und das kommt bei manchen, manche kommen da sofort sehr gut rein. Es ist auch ein bisschen ein sprachliches Problem. Die CANTIENICA®-Methode lebt ja sehr von der Sprache. Und es gibt natürlich, wie überall, sehr viele Asiaten.
Und die, ich habe ein Skelett in meinem Unterrichtsraum stehen und versuche so viel wie möglich einfach drauf zu zeigen. Aber manchmal haben die schon Schwierigkeiten, sich Sachen zu merken und dann auch die Ansagen zu verstehen.
Aber die, die es verstehen und auch die, die es nicht so gut verstehen, die profitieren enorm davon.
Und man kann dann auch immer drauf aufbauen, wieder auch im Einzelunterricht. Ich unterrichte da auch manchmal Geige, je nachdem, wie die anderen Zeit haben. Ich habe ja meinen Hauptberuf als Orchestermusikerin. Aber das macht mir sehr viel Spaß.
Benita Cantieni: [4:45] – Und in dieser Bewegungslehre, kannst du da auf die unterschiedlichen Instrumente, Musikalitäten eingehen? Weißt du, kannst du den Pianisten sagen, wie sie besser sitzen können und den Geigern.
Und Cellisten sind ja das, was du erzählt hast vom Psoas. Das kenne ich von Cellistinnen. Oder dass sie sagen, sie verspannen derart den Diagonal und dass es sich dann auch diagonal auflösen lässt. Magst du dazu ein bisschen?
Susanne Berendes: [5:23] – Ja, das merkt man sehr stark, wer welches Instrument spielt. Am besten sind tatsächlich immer die Sänger dran, weil die kein Instrument halten müssen.
Am schlimmsten, finde ich, sind die Querflötistinnen und Querflötisten dran. Die kannst du dir vorstellen, die immer schief sind, Stunden und Stunden und Stunden.
Und die haben wirklich mit der linken Schulter richtig Probleme. Weil die ja so, die müssen nicht nur wie die Geiger hochhalten, sondern die müssen ja auch noch verschieben. Und da ist natürlich die Arbeit mit dem Schulterpfännchen, mit der Oberarmkugel, ganz, ganz wichtig.
Benita Cantieni: [6:00] – Livekonzerte nicht so sehr, aber im TV an Aufzeichnungen manchmal zu beobachten, wenn die absetzen, dass die zum Teil schief sind, als hätten sie Gesichtsskoliosen.
Susanne Berendes: [6:12] – Die Musiker sind generell sehr schief. Also wie du gesagt hast, auch Cellisten, bei denen sind immer die Stimmwirbel von der Celloschnecke im Weg und dann haben die immer den Kopf so ein bisschen verschoben und das verzieht natürlich auch den Psoas.
Die Geiger sind auch schief, weil sie eben mit der einen Hand die Geiger halten, mit der anderen streichen.
Also dieses Schiefproblem ist wirklich ein großes bei den Musikern. Und noch dazu sind Musiker immer so sehr nach vorne ausgerichtet.
Die halten ihr Instrument vorne, die gucken zum Dirigenten nach vorne, sie gucken zu ihren Noten nach vorne, alles in unterschiedlichen Abständen.
Und das lässt eigentlich schon, wenn man nicht daran arbeitet, von selbst alles so in die Vorbeuge rutschen.
Und daran arbeiten wir einfach ganz viel. Übrigens wahnsinnig beliebt bei Musikern sind die vier Augen und die vier Lippen.
Benita Cantieni: […] Super, kann ich mir vorstellen.
Susanne Berendes: […] Man kriegt den Kopf gerade und man kriegt ihn vor allem nach hinten und kommt aus diesem stündigen Do machen raus.
Benita Cantieni: [7:18] – Toll, ich brauche das auch im Singen, weil ich da auch merke, oder jetzt hatte ich wieder zwei Monate Pause, weil der Gesangslehrer nicht in die Schweiz kam und dann schmerzt das sofort da hinten.
Beim Einsingen brauche ich auch die vier Lippen und die vier Augen.
Ketzerische Frage, hat bis anhin dazugehört, dass Musiker dafür, dass sie ihre Leidenschaft leben können, auch eine größere Leidensfähigkeit haben?
Weil das fällt mir oft auch auf, wenn ich mit Musikerinnen verschiedenster Couleur arbeite, dass die Leidensfähigkeit eigentlich riesig ist und die sich fast entschuldigen dafür, dass jetzt die Schmerzen nicht mehr aushalten.
Ist das etwas Kulturelles? Und wäre es an der Zeit, die Leute da rauszuholen und sagen, es darf auch Spaß machen und es muss nicht schmerzen?
Susanne Berendes: [8:17] – Absolut, absolut. Ich hatte selber, ich weiß, als junge Frau, so mit 18, 19, als ich dann Aufnahmeprüfung gemacht habe, und da übt man ja dann wirklich ganz hart und macht noch Abitur und macht noch Führerschein, und das ist so die Autobahn erst mal, das Instrumentalisten.
Und ich hatte solche Rückenschmerzen, dass ich Schmerztabletten genommen habe. Aber ich hätte mich gehütet, zu sagen, ich habe Rückenschmerzen. Das war überhaupt nicht en vogue.
Und dann, als ich studiert habe, da war das auch noch kein großes Thema. Und dann weiß ich noch, die Generation, die so ein paar Jahre nach mir kam, die fingen dann mit Alexander-Technik an und fingen sich an, damit zu beschäftigen.
Also da hat man dann nicht mehr das Vertreten, nur die Harten kommen in den Garten sozusagen, sondern dann durfte man auch was tun gegen seine Schmerzen.
Benita Cantieni: [9:06] – Hast du dich selbst auch beschäftigt mit Alexander-Technik?
Susanne Berendes: [9:10] – Ja, habe ich.
Benita Cantieni: [9:12] – Ohne, absolut ohne Kollegenschelte. Ich sage immer, wenn mir Alexander-Technik und Feldenkrais gereicht hätten, hätte ich meine Methode nicht entwickelt.
Ich brauchte mit meiner Skoliose mehr konkrete Anleitung.
Kannst du den Unterschied beschreiben, weil die Frage kommt ja oft, was unterscheidet CANTIENICA® von Alexander-Technik?
Und ich war nur auf der konsumierenden Seite. Und da war das, wie es wahrscheinlich in der CANTIENICA®-Methode auch ist, wenn ich einen, ich hatte mal in München einen absolut genialen Lehrer, bei dem ich das Prinzip der Übertragung, dass ich ja extrem dicht in die Methode einbaue, gelernt habe.
Und es ist bei uns auch so, man muss suchen, bis man den wirklich passenden Lehrer, die passende Lehrerin hat. Magst du einen Vergleich ohne Wertung anstellen?
Susanne Berendes: [10:18] – Also ohne Wertung kann ich, ich kann eigentlich nur sagen, ich fand Alexander-Technik toll.
Was mir daran gefehlt hat, war einfach der Muskelaufbau. Weil ich immer finde, Musiker werden zu Tode entspannt. Und das ist aber nicht alles. Natürlich muss ich entspannen können, das kann man aber mit der CANTIENICA®-Methode auch wundervoll.
Benita Cantieni: [10:38] – In der Kraft.
Susanne Berendes: [10:40] – In der Kraft, genau. Aber man braucht den Muskelaufbau in der Vertikalen, in der Diagonalen. Und wenn man das nicht hat, ist man einfach so schlapp. Ich kann nicht immer nur liegen und mich entspannen. Das ist nicht zielführend. Für mich war es das nicht.
Ich hatte mir auch überlegt, ob ich die Alexander-Technik-Ausbildung mache. Dann habe ich aber gedacht, man kommt einfach mit der CANTIENICA®-Methode wirklich weiter. So toll ich Alexander-Technik und Feldenkrais finde. Ja.
Benita Cantieni: [11:12] – Unser Glück, dass du zu uns gekommen bist.
Susanne Berendes: [11:16] – Und was ich eben auch finde, ist, dass Musiker können ja, während sie spielen, gar nicht so viel an die Körperhaltung denken. Der Kopf ist so voll von diesen Tausenden von Noten, die da auf einen einstürmen, von den rhythmischen Gegebenheiten, von dem, was der Dirigent vorgibt. Man schafft es einfach nicht.
Und man muss es wirklich unabhängig vom Instrument sehr gut eingeübt haben. Und dann kommt man da auch zum Zuge.
Benita Cantieni: [11:46] – Das ist super beschrieben. Das trifft auf alles andere auch zu.
Auch Menschen, die am Computer arbeiten, vergessen sich. Das ist die große Kunst. Und daran scheitert es ja leider oft, an diesem Umsetzen in den Alltag.
Hast du da einen konkreten Tipp, davon ausgehend, dass das eine Herausforderung ist für alle, die sich mit CANTIENICA®körper in der Evolution beschäftigen?
Wie bringst du deine Schüler:innen dazu, Student:innen dazu, das umzusetzen? Was hast du da für Tipps?
Susanne Berendes: [12:26] – Ich sage schon, sie müssen dranbleiben. Vor allem mit diesem ganzen Schulterpfännchenausdrehen. Für Musiker ist das einfach so wahnsinnig wichtig.
Oberarmkugel ausrichten. Das sage ich schon. Es wäre gut, wenn sie das jeden Tag üben würden. Und dann merkt man aber, dass es doch nach und nach ins Gehirn einsickert. Das dauert eben ein bisschen. Und dass man es dann im Spielen auch umsetzen kann.
Ich versuche ihnen auch immer zu sagen, den Unterschied zum Beispiel beim Yoga hat man ja oft die Hände so nach außen geöffnet. Und dann versuche ich immer zu sagen, Leute, das ist für den Alltag und fürs Musizieren nichts hinführend.
Wir brauchen die sogenannte Pronation, also dieses Eindrehen des Unterarms und gleichzeitig die Ausdrehung des Oberarms. Und das üben wir dann wirklich am Instrument auch. Und dann sehen die das eigentlich ganz schnell, wo die Reise hingeht. Und diese Vorkrampfungen, das ist schwieriger.
Benita Cantieni: [13:27] – Darf ich da einfügen? Dieses Prinzip hat mir ja die Geige beigebracht.
Ich wollte im hohen Alter Geige spielen, um 42, 43. Und da fing ich genau mit der Methode an. Und da las ich. Und dieser wunderbare Herr Bernd sagte es auch, die Haltung fürs Geigenspiel ist halt unnatürlich. Und ich dachte, das kann nicht sein. Beschaffte mir alle alten VHS-Kassetten von den begnadeten Geigern und Geigerinnen und schaute hin.
Wer so spielt, kann nicht unnatürlich stehen. Und dann habe ich die Geige gefragt und hat sie gesagt, mach das.
Hier am Handgelenk Pronieren, aus der Achselhöhle ausdrehen und entspann dich in diese Verschraubung. Und dann ging ich an einem Tag im Büro sechs Stunden mit dieser Geige im Arm rum. Und ich hatte am nächsten Tag nicht mal ein Muskelkätzchen.
Und das war die Geburtsstunde dieser Idee, dass du zuerst verschraubst und dann in die gedehnte Muskulatur die Kraft bringst.
Also da bin ich der Geige an sich, wie sie da im Universum hängt, ewig dankbar. Und es hat mich versöhnt.
Es war dann so, dass dieser Herr Bernd eines Tages sagte, Frau Cantieni, bis heute war es ein Gefitzel. Ab heute würde es Musik, jetzt müssen Sie jeden Tag üben. Und das habe ich halt nicht geschafft.
Ich musste mich dann entscheiden zwischen dieses Geschäft aufbauen und bin sehr glücklich, dass du für mich spielst. Verschraubt.
Susanne Berendes: [15:13] – Verschraubt, genau. Also eine Sache finde ich noch ganz wichtig. Ich weiß nicht, ob es dir auch schon mal so gegangen ist oder Kolleginnen und Kollegen.
An der Musikakademie kann ich natürlich wirklich frei unterrichten. Und da mache ich, was ich sehe und was ich für richtig halte.
Mit meinen Kollegen im Orchester, die es ja nun, wo ich sehe. Ich würde manchmal so gerne aufstehen und so ganz zart jemanden mal antippen.
Und es haben so viele Leute Schmerzen. Iliosakralgelenke von dem ewigen eingesunkenen Gehocke. Wie gesagt, ich habe schon gesagt, ganz viel Schulteroperierte, ganz viel Schmerzen.
Und ich habe am Anfang manchmal gesagt, ich hätte da was. Willst du mal kommen? Hier bin ich. Aber ich merke, die haben alle ihre Physiotherapeuten, dass die das einem Nicht-Profi einfach nicht zutrauen.
Das finde ich ganz schwierig. Und ich sage inzwischen auch gar nichts mehr, weil ich weiß, das bringt einen selber nur in peinliche Situationen. Aber es ist so schade.
Benita Cantieni: [16:23] – Es ist schade. Das ist ja durchs Band. Manchmal denke ich, die Idee vom Boden weg, die wirkliche Aufrichtung des Menschen, Fertigdenken, die Wirbelsäule von unten nach oben. Ich denke, das ist doch so logisch, so hemdärmelig, biomechanisch nachvollziehbar.
Es müsste sich doch herumsprechen. Mir geht das auch schon im Freundes- und Bekanntenkreis. “Ach ja, ich mache doch Pilates, ich mache Yoga, ich mache jenes. Das ist ja das Gleiche.”
Hast du eine Idee, wie wir das besser rüberbringen?
Susanne Berendes: [17:08] – Ich glaube, wenn ich eine Gruppe anbieten würde, dann würden das manche sich vielleicht doch trauen und überlegen, ob sie das lernen und ob sie vorbeikommen.
Nur es ist unter Kollegen einfach so schwierig. Ich bin immer in der Situation, dass ich denke, CANTIENICA® liegt ja nicht jedem, das muss man einfach so sagen.
Und ich denke immer, wenn dann jemand aber eigentlich gar nicht mehr möchte, dann traut er sich, das mir als Kollegin natürlich nicht zu sagen. Und dann kommt man in so eine zwanghafte Situation.
Da bin ich mit den Studenten einfach viel besser aufgestellt. Die müssen das erstmal machen und dann muss ich es so machen, dass sie es gerne machen und dass sie davon profitieren.
Mit Kollegen ist es wirklich so ein empfindliches Terrain, weil jeder so seine Vorstellung hat und wie gesagt, ganz viele auch bei professionellen Physiotherapeuten sind und dann denken, was will die denn mit einer Methode.
Benita Cantieni: [18:03] – Vielleicht ist auch das Eingestehen der Schmerzen einer Kollegin gegenüber nicht einfach.
Vielleicht müsstest du einfach mal versuchen. Wir unterstützen dich gerne. Einen Kurs für Profimusiker, wenn das Eis mal gebrochen ist.
Ich mache ja die wildesten Geschichten da mit Online-Skoliose-Kursen oder Toilettenknigge, wie man sich die Hämorrhoiden wieder abtrainiert usw.
Die ersten ein, zwei Mal und dann kommen Feedbacks und beim dritten Mal sind schon fast alle durch Mundpropaganda da.
Vielleicht einfach wagen und noch ein bisschen die Ziele ansprechen und nicht den Einzelnen.
Das merke ich, dass mir das hilft. Oder nicht du mit deinen Hämorrhoiden, sondern ganz allgemein sagen, “nie mehr verstopft, nie mehr drücken” usw. Verspielt, so wie du jetzt auch über diese Kombination Profimusikerin und Instruktorin.
Lass uns weiter darüber sprechen. Finde ich rasend spannend. Machen wir. Noch etwas, was dir am Herzen liegt?
Susanne Berendes: [19:42] – Fällt mir jetzt nichts ein, außer dass ich das so toll finde, wenn man ohne Nacken- und Schulterschmerzen spielen kann, dass ich immer hoffe, dass viele doch auf den CANTIENICA®-Zug aufspringen.
Benita Cantieni: […] – Und ohne Windeln.
Susanne Berendes: […] – Das auch noch, bei den Bläsern ist das ein Thema, ja.
Benita Cantieni: […] – Ah ja?
Susanne Berendes: […] – Ja, natürlich. Durch diesen Druck aufs Zwerchfell haben die natürlich...
Benita Cantieni: [20:08] – Stimmt, da kam doch mal einer mit dem Alphorn ins Studio. Weil er sagte, er hat da so einen unglaublichen Druck und wollte von mir wissen, wie er das schafft. Und wir haben es geschafft.
Ich stand dann da auf einem Bänklein, das Alphorn fiel zu groß für mich. Und jetzt die Reifeprüfung, wenn ich da Töne rausbringe, ohne Druck auf die Organe, und wir haben es geschafft.
Susanne Berendes: [20:33] – Das ist aber wirklich toll. Mir hat übrigens mal eine Sängerin, das fand ich auch ganz interessant, die hatte ganz, ganz viele Gebärmutter-Myome und hat mir das dann erzählt.
Und dann hat sie gesagt, ja, das haben fast alle Sängerinnen Myome. Oder ganz viele.
Und dann sagte sie, ja, das kommt daher, dass praktisch immer unser Zwerchfell auf die Gebärmutter drückt und dann entstehen obendrauf Myome. Ich kann es nicht prüfen.
Benita Cantieni: [21:02] – Jetzt ist ihr das bewusst und sie macht trotzdem bei jedem Atemzug den Druck aufs Zwerchfell und die Myome. Das ist immer noch so eine heilige Kuh, diese verdammte Bauchatmung. Grässlich.
Ich bin heute diplomatischer geworden und sage, wir arbeiten mit dem Bauch, nicht in den Bauch, provoziere dadurch weniger Widerstand und bin trotzdem eigentlich, finde ich es unverständlich.
Wie kann man selber analysieren, was da passiert?
Ich drücke das Zwerchfell dauernd runter, der Körper wehrt sich mit Myomen.
Jemand in meiner Umgebung hat neulich auch gesagt, der Körper wehrt sich mit Endometriose, die nimmt ja auch so ganz doll zu unter jungen Frauen.
Und trotzdem wird nicht infrage gestellt – die Atmung.
Für die Zuhörer:innen, die noch nie etwas von CANTIENICA® gehört haben, wir richten den Beckenboden, den Organheber auf. Wir richten auch das Zwerchfell auf, weil die beiden erstens miteinander wachsen. Im Mutterbauch sind sie lange eine Membran, die dann auseinanderwächst.
Und wer das Zwerchfell schädigt, schädigt immer den Beckenboden.
Wer dem Beckenboden Gutes tut, tut immer auch dem Zwerchfell Gutes.
Das eine ist, ohne das andere nicht zu haben.
Also wer auf der Suche ist nach gutem Beckenbodentraining, soll fragen, spielt das Zwerchfell in diesem Training eine Rolle?
Und wenn es das nicht tut, sofort wieder raus. Einverstanden?
Susanne Berendes: [22:58] – Absolut. Nur ist es bei den Musikern immer so, dass die Zeit ihres Lebens gebraucht haben, um ihr Instrument und auch ihre Stimme zu lernen.
Und wenn die dann hören, du sollst jetzt irgendwas ändern, dann drehen die durch. Weil das mit so viel Arbeit verbunden ist. Und die kleinste Nuance bringt eine solche Unsicherheit auf der Bühne, dass ganz viele sagen, dann lieber Myome. So habe ich es wirklich manchmal erlebt.
Benita Cantieni: [23:25] – Es gibt einen Bereich in meinem Gehirn, der das versteht. Und ein anderer, der sagt, Mann, wenn du wüsstest, wie viel Wohlgefühl und Körperglück du verpasst.
Und auch länger singen. Ich glaube nicht, dass ich mit 67 singen anfange, hätte singen können ohne die Methode. Völlig unvorstellbar.
Susanne Berendes: [23:56] – Das glaube ich sofort.
Benita Cantieni: [23:57] – Und ich bringe anständige Töne raus. Ich übe nicht, bin eine faule Socke. Absolut fasziniert, wie sich das Unterbewusstsein...
Kannst du mir erklären, wie das geschieht? Ich lerne eine neue Arie. Und tu mich schwer. Und wir üben zweimal in 14 Tagen. Und dann vergesse ich sie einfach im Tagesbewusstsein.
Und nach zwei Monaten holen wir sie hervor. Und sie hat sich irgendwo im Unterbewusstsein sortiert. Und ich finde es absolut fantastisch.
Dieses Lernen im Schlaf habe ich erst über meine Gesangserfahrungen.
Haben wir alle ein musikalisches Gehirn? Weil das das erste ist mit dem Wiegenlied der Mutter. Haben wir alle eine heimliche Schatzkammer?
Susanne Berendes: [24:53] – Ja, das weiß man tatsächlich von Demenzkranken. Die können gar nichts mehr, aber die Musik bleibt. Die erkennen Musikstücke wieder. Obwohl sie sonst keine Menschen mehr erkennen, nicht mehr sprechen können.
Aber die Musik ist in einem Teil vom Gehirn, das völlig unbescholten bleibt. Und das finde ich wirklich faszinierend.
Benita Cantieni: [25:16] – Faszinierend und wunderbar. Ein großer Trost. Ich kann mich darauf verlassen. Falls ich dement würde, ich habe es nicht vor...
Ich danke dir für das Gespräch.
Susanne Berendes: [25:28] – Ich danke dir.
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