Stimme aus der Mitte: Singen mit Beckenboden und Resonanz, mit Aline Du Pasquier
Shownotes
Überschrift TextAline Du Pasquier
Aline Du Pasquier, 59, ist Sängerin, Gesangspädagogin und CANTIENICA®-Instruktorin. Sie lebt und arbeitet in Basel und begleitet Menschen darin, ihre Stimme über Körperverankerung, Aufrichtung und innere Durchlässigkeit zu entwickeln.
Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Muskelschale am Boden des Beckens. Sie bildet die Grundlage für Musikalität, Ausdruck und stimmliche Freiheit. Im Becken im aufgerichteten Körper entsteht Klang ohne Druck. Die Stimme wird rund, tragfähig und lebendig – getragen vom ganzen Körper.
In ihrer Arbeit nutzt Aline einfache cantienische Basisübungen, oft im Sitzen. Kleine Impulse reichen aus, um den Beckenboden wahrnehmbar zu machen. Der Klang verändert sich unmittelbar und verteilt sich mit der Zeit im ganzen Körper.
Zentrum Bewegung & Balance, Laufenstr. 12 4053 Basel cantienica-basel.info/
Überschrift TextStimme, Körper und die Rückkehr zur Musikalität
Aline Du Pasquier spricht mit Benita Cantieni über:
- Klang ohne Anstrengung
- die Kunst, sich beim Singen vom Körper führen zu lassen
- die Vernetzung aller Diaphragmen aus dem Beckenboden bis unter das Schädeldach
- die Verwandlung von Scham in Sicherheit
- die Kraft, die aus Krisen entsteht
CANTIENICA® Körper in Evolution ist anatomisch präzises Training für Aufrichtung, Kraft und Schmerzfreiheit – von innen nach außen. Du lernst, deinen Körper so zu bewegen, wie er von Natur aus gedacht ist: effizient, leicht und kraftvoll. Dein Körper versteht schnell, was ihm guttut – und antwortet mit Leichtigkeit.
Links:
- CANTIENICA®-Methode: https://cantienica.com
- Ausbildungen: https://cantienica.com/ausbildung
- Studio Zürich: https://cantienica.com/studiozuerich
Transkript anzeigen
00:00:02: Du sagst, Musikalität komme aus dem Beckenboden.
00:00:10: Wie das?
00:00:12: Ja, das sage ich.
00:00:15: Wie das?
00:00:17: Eigentlich ganz einfach.
00:00:18: Wenn man den Zugang zum Beckenboden hat, dann können andere Funktionen wie aufhören zu arbeiten, zum Beispiel der Wille oder die, soll ich sagen, wenn man etwas ganz stark Möchte dann verschwindet das, sondern die Energie fließt dann aus dem Beckenboden und der Körper macht das, was die Musik verlangt.
00:00:41: Das klingt jetzt so ein bisschen wie Zauberrei vielleicht, aber die Erfahrung hat mir gezeigt, dass es immer wieder passiert und dass es dann ein extrem beglückender Vorgang ist.
00:00:53: Also das musizieren wir dann richtig, richtig beglückend.
00:00:59: Gilt das jetzt für... Jeden Menschen, jeden Beckenboden oder braucht es noch was dazu?
00:01:06: Weil Beckenboden hatte ich eigentlich immer.
00:01:09: Singen kann ich erstzeitig obendrauf die Haltung ausrichten, seit ich mich wirklich aufspanne und weiß, dass das Zwerchfell mit dem Beckenboden zusammenarbeitet.
00:01:25: Ist da bei mir jetzt schon wieder zu viel Wille drin?
00:01:28: Oder wie machst du das?
00:01:33: Anschlussfrage, arbeitest du mit Berufssängern oder Laien?
00:01:43: Und wie bringst du den Menschen das Singen aus dem Beckenboden bei?
00:01:51: Also das Erste ist das, dafür finde ich eben die Kantjenikamethode so gut.
00:01:55: dass man den Zugang zu seinem Beckenboden überhaupt findet.
00:01:58: Also wenn ich immer, wenn ich so sprechen würde, dann würde ich ohne Beckenboden sprechen.
00:02:02: Dann hätte ich einfach...
00:02:03: Sag es noch mal.
00:02:04: Also
00:02:04: wenn ich so spreche und ich versuche einfach den Beckenboden auszuschalten, dann ist meine Stimme anders als wenn ich so spreche.
00:02:11: Muss du dafür... Ich kann das auch.
00:02:13: Ich muss etwas mit der Haltung machen.
00:02:16: Ich muss ihn den Beckenboden abschneiden.
00:02:19: Ich brauche irgendwie einen Stopper im Körper.
00:02:24: Sobald ich durchgängig durchlässig bin, kann ich den nicht... wie machst du das?
00:02:31: Ja, natürlich.
00:02:32: Es braucht die Achse, es braucht das Zwerchfell, es braucht das Gaumendach, es braucht die ganzen Resonanzräume.
00:02:37: Das muss alles da sein.
00:02:39: Aber wenn der Zugang zum Beckenboden nicht da ist, dann wird die Stimme nie wirklich rund, nie wirklich voll und... Die Musikalität kann sich auch nicht so entfalten, weil man dann quasi blockiert ist mit Arbeit, zum Beispiel am Kehlkopf.
00:02:54: Das gilt aber auch für Klavierspiel.
00:02:56: Das gilt eben für alle Instrumente.
00:02:59: Je tiefer man verankert ist, desto mehr kann man oben frei sein.
00:03:02: Das heißt nicht, dass das Zwerch, wenn nicht aufgespannt ist, dass das Gaumendach nicht aufgespannt ist, dass die Sinusse nicht resonieren.
00:03:11: Das muss natürlich alles dabei sein.
00:03:13: Das ist klar.
00:03:15: Okay.
00:03:17: Ein Haufen Folgefragen wirst du auf.
00:03:21: Das Erste war, die ich frage, weil ich sehe dich ja im Gegensatz zu den Zuhörerinnen.
00:03:28: Ich sah nicht, was du machst.
00:03:30: Wenn ich den Beckenboden ausschalte, muss ich eine große Bewegung machen.
00:03:35: Und bei dir sah es nur aus, als ob du irgendwie zwei Zentimeter den Kopf weiter nach vorne brauchte.
00:03:41: So wenig, um den Beckenboden auszuschalten.
00:03:44: Ich habe einfach in meiner Erfahrung gesehen, dass viele Menschen zu mir kommen, die eine ganz isolierte Stimme haben.
00:03:51: Die sprechen mit einer fahlen Fadenstimme ohne Rundung, ohne Fülle.
00:03:58: Und ich versuche es nochmal.
00:04:02: Die sind vielleicht aufgerichtet, aber sie sprechen dann einfach so.
00:04:06: Da ist wie keine Verbindung nach unten.
00:04:10: Ja.
00:04:10: Und jetzt, wenn ich jetzt widerspreche, denke ich, hört man den Unterschied.
00:04:13: Jetzt habe ich meinen Beckenboden angepeilt, quasi.
00:04:17: Der macht jetzt einfach mit, der ist dabei, der ist integriert, er freut sich.
00:04:22: Und was machst du konkret?
00:04:24: Die meisten Zuhörerinnen kennen wahrscheinlich die Cantinica Methode nicht.
00:04:29: Kannst du erklären, was du machst?
00:04:31: Anschlussfrage, du sagst Klavier, Piano auch.
00:04:38: Weltberühmte Pianistinnen und Pianisten fallen mir auf durch extrem schlechte Haltung.
00:04:47: Wie können die dann trotzdem derart virtuos spielen?
00:04:52: Absolut, ja, das ist sehr interessant.
00:04:54: Aber zuerst gehe ich vielleicht zuerst zum Beckenboden, wie ich den anpeile mit, sagen wir, Anfängern, mit Sängerinnen und Sängern.
00:05:02: Ich mache ganz einfache Basiskantienika-Übungen für den Beckenboden auf dem Stuhl.
00:05:07: Wenn man die Fersen anstubst, spüren die Schülerinnen und Schüler, dass die Sitzknochen sich ein bisschen zusammenbewegen.
00:05:14: Und ich verbinde das sofort mit Klang, also mit ssss, oder hmmm.
00:05:19: Bis sie merken, dass sie ohne das nicht mehr können.
00:05:22: Bis sich der Klang in alle Zellen verteilt.
00:05:26: Und das ist ein Prozess, weil ich habe zum Beispiel Unterricht gegeben für Kantjenica Instruktorinnen.
00:05:33: Ich dachte, die werden ja automatisch eine volle schöne Stimme haben, weil ihr Körper ja so schön ausgerichtet und so offen ist und alle Elemente sind ja da und reflexartig vorhanden.
00:05:45: Aber das stimmt nicht.
00:05:46: Man muss dann mit dem Klang in den ganzen Körper gehen und auch den Klang vernetzen, das vielleicht mit Summen, mit Tönen, mit Sprechen und diesen Prozess Nicht nur zu verstehen, sondern auch wirklich zu erleben und zu machen.
00:06:01: Der braucht halt ein bisschen Zeit, aber wenn man das von Anfang an macht, kommt das sehr gut.
00:06:07: Also und die Pianisten.
00:06:10: Genau, die Pianisten, ich darf jetzt nicht frech werden, aber ich finde das auch.
00:06:15: Es gibt ganz, ganz viele Pianisten, die mit hochgezogenen Schultern...
00:06:18: Werdefrech, bitte Werdefrech.
00:06:21: Wir nennen keine Namen.
00:06:23: Also bei Glenn Gould habe ich dem zugeschaut, ich bin ja all genug, dass ich dem noch zuschauen konnte.
00:06:30: Da habe ich einfach gedacht, er erstickt sich seine eigenen Organe, wie der da sitzt.
00:06:36: Weißt also, und trotzdem so ein Wahnsinnspiel.
00:06:40: Ja, ja, ja, ja.
00:06:42: Also das, was mir manchmal auffällt, ist, dass die Pianisten eben so hochgezogene Schultern haben, den Kopf so nach vorne.
00:06:49: Und es gibt Pianisten und Pianisten.
00:06:51: Ich finde, es gibt die Pianisten, die eben aus der Mitte spielen, aus diesem Beckenboden spielen und wo... dass quasi der Wille nicht so wichtig ist.
00:07:00: Und da gibt es diese ganz intelligenten Pianisten, die jeden Ton gestalten und alles quasi mit Willen machen.
00:07:07: Und ich persönlich habe die anderen viel lieber.
00:07:11: Bei mir selbst war es ja so, dass ich meinen Klangkörper, ich hatte diese Haltung durch das Umsetzen meiner Methode, Den Klangkörper entdeckt habe ich erst durch das Singen.
00:07:32: Also ich kann das bestätigen, was du sagst.
00:07:35: Ich kann eine gute Haltung haben.
00:07:37: Und wenn ich den Körper nicht bewusst mit als Klangkörper entdecke und verstehe und nachspüre, geschieht es nicht von selbst.
00:07:53: Absolut, absolut, ja.
00:07:56: Was mir einfiel, wir hatten diese Pandemie.
00:08:04: Menschen schutzlos, hilflos, ohnmächtig.
00:08:09: Dann kam dieser Boom mit dem ventralen Vargus, dieser fabelhafte Stephen Porchess, den er forscht hat und in dieser Form als Sozialnerv, als ... Sinnesnerve in die Welt gebracht hat.
00:08:31: Ich habe den mehr als einmal und einmal auch live gehört, dass er sagt, den schnellsten Trost bringt Singen.
00:08:42: Singen bringt dem Menschen in jeder Lebensphase Sicherheit, Selbstzuwendung und Trost.
00:08:52: Und heute kann ich das bestätigen.
00:08:56: Meine Frage an dich, warum tun sich so viele Menschen schwer mit Singen?
00:09:00: Warum?
00:09:01: Nur schon Summen.
00:09:02: Du kennst mein Unge, Unge, Unge, Unge, dass ich den Menschen abverlange in den Lektionen.
00:09:09: Schon da tun sich viele so schwer.
00:09:12: Warum ist Singen mit Scham besetzt?
00:09:16: Hat das auch mit dem Beckenboden zu tun?
00:09:20: Ah, interessanter Ansatz.
00:09:23: Ich habe gemerkt, dass viele Leute traumatisiert sind und singen ist ja etwas vom Persönlichsten.
00:09:29: Die Stimme ist ja eigentlich wie die Farbe unserer Emotionen.
00:09:33: Und seine Emotionen zu zeigen, einfach so, das kann etwas vom Schwierigsten sein für gewisse Leute.
00:09:39: Ich merke das auch im Unterricht, wenn ich einfach sage, mach mal, hm, dass gewisse Leute das nicht können.
00:09:45: Und dann muss man ganz, ganz sanft daran sich nähern.
00:09:52: Und wie kann es sein?
00:09:54: Weil Summen und Lautmalerei ist das Erste, was wir tun, wenn wir eine gute, normale Beziehung haben zu Eltern, wäre
00:10:09: Summen
00:10:10: und das Lullaby und gehalten werden und besumpt eigentlich das Natürlichste der Welt.
00:10:16: Was ist da schiefgelaufen, dass wir stimmtraumatisiert sind, so viele von uns?
00:10:22: Ja, viele erfahren zum Beispiel in der Primarschule, dass man ihnen sagt, sei mal still, du singst ja unrein oder du bist ein Brummer.
00:10:29: Und dann entscheidet sich, werde nie mehr singen, ich werde meinen Mund nicht mehr aufmachen.
00:10:34: Solche Leute habe ich oft angetroffen, das ist sicher mal ein Faktor.
00:10:39: Und bei anderen weiß man es, hat manchmal einfach nicht, was ist da schief gelaufen.
00:10:43: Warum ist das?
00:10:45: Es ist vielleicht wirklich, dass man etwas ganz Inneres nicht wagt zu zeigen, weil man verletzt wurde.
00:10:50: als man das mal getan hatte.
00:10:53: Und so eine Stimme
00:10:54: zeigt sich immer
00:10:55: unser... Ja?
00:10:56: Ja?
00:10:57: Wenn man gesagt kriegt, du singst falsch, du sagst unrein, das ist ja schon ein bedächtiges Urteil.
00:11:04: Bei mir hat es einfach geheißen, ich singe falsch.
00:11:08: Wie bringen wir die Leute zum Singen?
00:11:14: Ich hatte zum Beispiel... Eine Schülerin, die konnte den Mund fast nicht aufmachen.
00:11:19: Sie kam zu mir, sie wollte singen lernen.
00:11:21: Und immer wenn ich sagte, hm, oder mal Summen oder irgendeinen Ton solle sie von sich geben, kam nix.
00:11:28: Und dann habe ich damit angefangen, dass sie gleichzeitig mit dem Fuß auf den Boden stampfte.
00:11:33: Und dann habe ich sie wie so ein bisschen überlistet.
00:11:35: Und mit der Zeit kam es immer besser.
00:11:38: Und jetzt singt sie auf der Bühne Arien und hat eine große wunderbare Stimme.
00:11:43: Wow.
00:11:44: Und das ist etwas vom Schönsten, was man als Lehrerin erleben darf.
00:11:48: Wie lange hat das gedauert?
00:11:49: Wie alt war sie als sie anfing bei dir?
00:11:52: Sie war etwa neunzehn und jetzt ist sich glaube ich dreiundzwanzig und hat beim letzten Projekt, das wir hatten, unglaublich schön gesungen.
00:12:02: Ja.
00:12:03: Toll.
00:12:05: Also wir sind immer noch dran, weil sie sinkt noch in einer Lage, die noch nicht so hoch ist, aber die Stimme ist riesig.
00:12:11: Fantastisch.
00:12:12: Ja.
00:12:13: Und muss ich immer noch einstampfen mit dem Einsingen oder geht es jetzt ohne?
00:12:19: Nein, nein, nein, nein.
00:12:21: Ich habe mit dir auch viel Kantjenigerübungen gemacht und dieses Aufspannen auch der Kopfmuskulatur des Zwerges gibt ihr diese Sicherheit und das ist fantastisch und dafür danke ich dir.
00:12:34: Das ist wirklich ganz,
00:12:35: ganz wichtig.
00:12:36: Danke dir, dass du es auf so wunderbare Art und Weise in die Welt bringst.
00:12:42: Ich
00:12:42: finde ja, dass ich durch das Singen für die Zuhörerinnen, ich habe im hohen Alter absolut überzeugt, dass ich nie einen Ton rausbringe durch Zufall und Liste des Universums angefangen zu singen und es hat wirklich die Körperarbeit nochmal verfeinert, verändert.
00:13:12: Ich habe an schlechten Tagen, wenn ich das Gefühl habe, ich finde meine Aufspannung nicht, singe ich oft, singe ich mich in die Haltung.
00:13:22: Also kann jeder Mensch in jedem Alter anfangen mit Singen?
00:13:26: Ja,
00:13:28: das würde ich sagen.
00:13:29: Absolut.
00:13:30: Was
00:13:31: war die älteste Person, die du unterrichtet hast?
00:13:35: Oder was ist die älteste Person, die du unterrichtest?
00:13:40: Also die ältesten habe ich momentan, wenn ich in Köhren arbeite und Stimmbildung mache und somit so Stimmen, die da nicht mehr hochkommen und dann zeigt man ihnen, wie sie eben doch noch die hohen Töne singen können und wie sie ein bisschen körperliche Unterstützung, die ihre Stimme geben, weil meistens wissen sie Leute von Technik eigentlich fast nichts.
00:13:58: Und wenn man da ein bisschen arbeitet, dann kommen auch die Stimmen, die zum Teil, ja ich bin vielleicht schon, ja die sind zum Teil achzig, also das funktioniert.
00:14:09: Natürlich werden sie nicht in der Skala einen Soloauftritt haben, aber man kann immer lernen und das ist sowas Schönes.
00:14:15: Für das eigene Blick
00:14:18: und für die Köre auch.
00:14:20: Ich finde Singen ist für mich Psychotherapie inzwischen.
00:14:26: Ganz genau.
00:14:27: Dass ich einfach
00:14:27: so viel spüre auch über die Räume im Körper.
00:14:35: Hat mit... Professionellen Sängerinnen wird ja brutal umgesprungen.
00:14:44: Die werden ja einmal auf der Bühne ein falsche Takt, werft man sie schon zum falschen Eisen.
00:14:53: Was geht da schief?
00:14:54: Weil ich dachte auch, ich dachte über vierzig kann kein Mensch singen.
00:14:59: Und als ich da war, war ich... Sieben, acht Jahre.
00:15:03: Dann war ich siebenundsechzig und ich stehe vor einem Lehrer und sage selbstverständlich, kannst du singen.
00:15:09: Was geht dort schief?
00:15:12: Also wenn man die Sängerinnen und Sänger so schlecht behandelt.
00:15:14: Ja.
00:15:16: Ja, das ist einfach wie eine Maschinerie.
00:15:18: Das ist wie, ich denke, das ist wie in der Mode.
00:15:20: Da werden die jungen Stimmen zum Teil gepusht und dann, wenn sie noch gut und frisch sind und dann irgendwie geht vielleicht mal was schief oder der Körper mag nicht mehr und dann kommt die Nächste dran oder der Nächste.
00:15:32: Das ist ja auch brutal.
00:15:34: Ja, sehr brutal.
00:15:35: Also ich war zum Glück nie in diesem, in diesem Metier, weil ich bin mehr Oratoriensängerin.
00:15:40: Das heißt, ich habe eigentlich das gesungen, was ich wollte und wann ich wollte.
00:15:43: Aber ich glaube, auf der Opernbühne ist es gar nicht so einfach.
00:15:49: Arbeitest du auch mit Profis, die durch Krisen gehen?
00:15:53: Absolut, ja.
00:15:55: Die meisten haben keinen Zugang zu Becken wurden oder keinen bewussten.
00:15:59: Und sie wissen einfach alles das, was sie vielleicht bisher ... Reflexartig konnten, weil der Körper irgendwie mitgemacht hat, wissen sie nicht und sie können es nicht bewusst sagen, was sie machen.
00:16:08: Und da kommt auch wieder die Kantjenige Matode ins Spiel und es ist genial.
00:16:12: Weil plötzlich werden ihnen Sachen klar.
00:16:18: Das finde ich interessant, was du sagst, weil ich weiß von Gesangstechnik ja nicht und finde diese Tipps, die ansagen, das Profis oft wage.
00:16:34: Und dann erkläre ich, was mein Körper macht.
00:16:37: Und inzwischen bin ich mit einem Gesangslehrer so weit, dass er mich fragt, was machst du denn jetzt?
00:16:43: Und ich frage zurück, wieso fragst du?
00:16:47: Und er sagt, er spürt mehr Volumen, er hört dieses, hört jenes und dann sage ich ihm, was ich mache.
00:16:55: Und ich habe auch so ein paar Standardwerke für Senga und das ist unglaublich kompliziert.
00:17:01: Ich lese es und verstehe nicht wirklich, was man von mir will.
00:17:06: Dann frage ich meinen Körper, beckenboden und Aufspannung und Zwerchfäll.
00:17:10: und der Körper sagt es mir.
00:17:13: Ja, das ist genau das.
00:17:15: Im Unterricht bekommen wir eigentlich keine klaren physischen Ansagen.
00:17:21: Man arbeitet vielleicht ein bisschen mit Spiegelneuron und man sagt, man hat mir gesagt, ja, es ist wie so eine Faust da unten.
00:17:28: Oder mach mal deine Rippen auf.
00:17:30: Aber so genau, wie die Kantjenica Methode das beschreibt, so habe ich das nie erlernen dürfen.
00:17:35: Und darum bin ich auch so dankbar.
00:17:36: Weil das hat mir so eine Klarheit gegeben.
00:17:40: Die meisten Profis wissen nicht, was sie tun, weil es wie eine Art Gabe ist.
00:17:46: Bühnen, Tiere, die können das einfach, aber wenn irgendwas schief geht und sie wissen nicht, was sie machen, dann wird es richtig schlimm, weil dann fangen sie an irgendwo zu drücken oder zu viel Spannung zu geben und das zeigt sich dann wieder am Kehlkopf.
00:17:58: Dann kommen eben die Probleme.
00:18:00: und viele haben auch nicht so einen guten natürlichen Stimmsitz und in der Jugend merkt man das noch nicht, aber wenn sie älter werden, dann gibt das auch Probleme.
00:18:10: Und da ist das mit dem ganzen Faceforming, mit diesen Aufspannungen im Gesicht, mit diesem Zug- und Gegenzug-Prinzip, kann man da extrem viel machen.
00:18:19: Auch bei älteren Semestern.
00:18:22: Gegenfrage.
00:18:23: Also, wieder einmal der Schluss.
00:18:27: Richtig.
00:18:30: Gute Körperarbeit würde eigentlich in alle Schulen gehören.
00:18:34: Nicht so ein bisschen Pseudotouren, sondern wirklich den Körper kennenlernen aus der Tiefe und erfahren, was für ein Wunder uns lebt und wie wir im Sorge tragen können.
00:18:47: Ich geriet neulich im TV in irgendwie Britengott Talent oder so und das lang ein siebenjähriges Mädchen so
00:18:58: Unglaublich
00:19:00: schön, was passiert da?
00:19:03: Sind das dann einfach Naturtalente?
00:19:07: Oder gibt es Menschen, du hast vorher gesagt, Spiegelneuronen, die viel besser imitieren können, Kinder, die schon einfach intuitiv nachmachen können?
00:19:21: Was passiert da, wenn es plötzlich...
00:19:24: Ja, ich denke schon.
00:19:26: Ja, ich denke schon, das gibt dann Natur-Talente.
00:19:28: Ganz klar.
00:19:29: Und man muss auch ganz speziell vorsichtig sein, dass man sie nicht zu fest pustet.
00:19:34: Ich habe da immer so ein bisschen nicht Angst um sie, aber ich finde, man muss da sehr, sehr vorsichtig sein als Lehrerin oder Lehrerin, wenn man mit so einem Kind arbeitet.
00:19:43: Ja, die haben einen Talent, die können ganz gut nachmachen.
00:19:46: Ich arbeite auch mit Kindern und bin erstaunt, wenn die so einen Rap irgendwie singen, was die darf.
00:19:53: einfach nachmachen können, auch wenn Sie den Text überhaupt nicht verstehen.
00:19:57: Aber ist das wirklich der Ausdruck Ihrer Emotion?
00:20:02: Ist das wirklich der Ausdruck Ihres Alters?
00:20:06: Stimmt das mit Ihrem Körper oder wird da ein bisschen zu viel verlangt und zu viel aufgesetzt?
00:20:10: Das ist immer so.
00:20:10: auch meine Frage.
00:20:12: Ich glaube, das ist auch von Kind zu Kind unterschiedlich.
00:20:16: Ich glaube, man kann nicht generalisieren.
00:20:22: Schön.
00:20:23: Lass uns singen.
00:20:28: Menschen ihre Stimmen entdecken, ihre Körperräume.
00:20:33: Wer mit Alindipaske arbeiten möchte, du lebst und arbeitest in Basel.
00:20:41: Den Link findet ihr unten unter diesem Podcast.
00:20:48: Ich danke dir sehr herzlich.
00:20:51: Dir auch ganz großen Dank auch für deine Arbeit, die wirklich Beglückend ist wirklich.
00:20:58: Von tiefstem Herzen danke.
00:21:00: Ich danke dir, dass du sie in die Welt brechst.
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